Die Juror*innen 2026 für Prosa und Lyrik- Einreichungen: BARBARA ZWIEFELHOFER (Literaturhaus Wien), JESSICA BEER (Residenz Verlag) und MARKO DINIĆ (Autor) haben in der Jurysitzung am 29. Juni 2026 wie folgt entschieden:
Der HAUPTPREIS der EXIL-LITERATURPREISE 2026 dotiert mit € 3.000,- (gefördert von der Kulturabteilung der STADT WIEN) geht an TAMARA ŠTAJNER für ihren Text „Haus Nr. 5“.
Der 2. Preis dotiert mit € 2.000,- (gefördert von der Kulturkommission Neubau) geht an MUHAMMET ALI BAŞ für seinen Text „Zelzele“.
Der 3. Preis dotiert mit € 1.500,- (gefördert von der Kulturabteilung der STADT WIEN) geht an BOBAN RISTIĆ.
Die Jury hat weiters beschlossen, anstelle eines Lyrikpreises 2026, einen 4. Prosa-Preis, dotiert mit € 1.500,- (gefördert von der Kulturkommission Neubau) zu vergeben. Dieser geht an MANUELA TOMIĆ.
Der Preis für Autor*innen mit Erstsprache Deutsch, dotiert mit € 1.000,- (gefördert von der Literaturabteilung des bmwkms) geht an TARA MEISTER für ihren Text „was wert“.
Derzeit noch nicht entschieden sind die diesjährigen Preise für junge Autor*innen bis zum20. Lebensjahr, der Preis für Schulklassen und Teams und der EXIL-DRAMATIKER*INNEN-PREIS. Diese werden in zwei weiteren Jurysitzungen von zwei weiteren Juryteams im September entschieden werden.
Die Preisverleihung der EXIL-LITERATURPREISE 2026 findet am Fr. 11. Dezember um 19 Uhr im Literaturhaus Wien statt.
TAMARA ŠTAJNER wird mit dem Hauptpreis der diesjährigen Exil-Literaturpreise ausgezeichnet. Ihr soeben erschiener Roman "Luft nacht unten" steht außerdem auf Platz 1 der ORF-Bestenliste für August.
Weitere Infos zur ORF-BESTENLISTE: hier klicken
TAMARA ŠTAJNER , geboren 1987 in Novo Mesto, Slowenien, ist Bratschistin und Schriftstellerin. Sie schreibt auf Slowenisch und Deutsch. 2024 gewann sie den Lyrikpreis Meran, beim Ingeborg-Bachmann-Preis wurde ein Auszug aus Luft nach unten mit dem Kelag-Preis ausgezeichnet. 2023 erschien ihr Debütroman Raupenfell. Sie lebt und arbeitet in Wien.
Jurybegründung Barbara Zwiefelhofer, Literaturhaus Wien
„Tu se je začel izlet!“ („Hier hat es angefangen!“). Mit diesen Worten,so erinnert sich Iva, die Ich-Erzählerin in Tamara Štajners Text „Haus Nr. 5“, kommentierte ihr Vater immer eine Stelle im heimatlichen Tal in der slowenischen Region Posavje, wo Anfang der 1940er Jahre Tausende Slowen:innen und Slowenen von den nationalsozialistischen Besatzern zusammengetrieben und nach Deutschland deportiert wurden.
Diese Verbrechen haben Menschen und Regionen ebenso nachhaltig gezeichnet wie die Repressionen und die Zerstörung der Landschaft durch Fabriken und Kraftwerke unter der sozialistischen Tito-Diktatur. Überall sieht Iva, schon seit Jahren als erfolgreiche Musikerin in Wien lebend, auf der Besuchsreise, die sie in Begleitung ihres Ehemanns Felix in die slowenische Heimat zu den kranken Eltern unternimmt, Spuren dieser Zerstörungen.
Schonungslos aber nicht ohne Empathie erzählt Tamara Štajner von transgenerationalen Traumata und einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung. Virtuos lässt sie mit wenigen, klug gesetzten Strichen so hochkomplexe Gebilde wie Lebensläufe und Beziehungsgewebe – mit all den Erwartungen und Plänen, den Enttäuschungen und Zurückweisungen - vor den Augen der Leser:innen erstehen, bevor die zuvor aufgebaute Spannung im letzten Akt dieses virtuosen Kammerspiels verglüht.